Digitalisierung: 5 Tiefdruckgebiete die Unternehmen im Blick haben sollten

Als Berta Benz mit ihren Söhnen im August 1888 eine 106 Kilometer lange Fahrt von Mannheim nach Pforzheim unternahm, um für das Automobil ihres Mannes zu werben, werden nicht wenige Menschen verdattert im Straßenstaub gestanden und dem ersten Automobil der Welt hinterhergeblickt haben. Obwohl die erste Autofahrerin der Welt mit nur knapp 16 km/h unterwegs war, ist das mentale Bild hilfreich, wenn wir in die Gegenwart zurückkehren und versuchen zu visualisieren, mit welcher Geschwindigkeit die heutige Technologie an uns vorbei rast.

Auch heute stehen viele im Straßenstaub und wissen nicht, wie ihnen geschieht. Die Menschheit ist an einem Punkt angekommen, an dem sich die Technologie selbst überholt und den Menschen an sehr vielen Stellen weit hinter sich lässt. Es gibt Stimmen die befürchten, dass die Vierte Industrielle Revolution erstmals mehr Jobs zerstören als neue schaffen wird. Sollte dieser Fall tatsächlich eintreffen, wird es zu einer Zweiklassengesellschaft kommen, nämlich einer, die mit der Digitalisierung Schritt halten kann und sie produktiv für sich zu nutzen weiß und einer anderen, der genau diese Kompetenzen fehlen.

Die Menschheit konnte sich bisher immer darauf verlassen, dass Veränderungen in Generationen erfolgten. Seit dem Beginn des Informationszeitalters ist diese Gewissheit jedoch ständigen Prüfungen unterzogen. Und das bleibt nicht ohne Auswirkungen.

Schon heute rückt die menschliche Wertschöpfung durch die Automatisierung in den Hintergrund. Unternehmen vertrauen der Technik mehr als den Menschen – und das wird die Entstehung der Zweiklassengesellschaft verstärken, wenn hier nicht gegengesteuert wird.

5 Tiefdruckgebiete verlangen daher die Aufmerksamkeit von Unternehmensführung und HR-Abteilungen:

  1. Arbeitsvolumen
    Nicht nur die Digitalisierung, sondern auch der demografische Wandel werden für eine Verknappung von Talenten sorgen. Schon heute geben 54,1 % der Unternehmen an, nicht genügend qualifizierte Bewerbungen zu bekommen, 41,9 % klagen über akuten Fachkräftemangel. Das ergaben die „HR Future-Trends 2016“ der AGENTUR ohne NAMEN. Gleichzeitig wird das Arbeitsvolumen nicht weniger, sondern vermutlich mehr. Denn die Jobs, die nicht von der Automatisierung und Digitalisierung betroffen sein werden, sind komplexer, verlangen mehr Aufmerksamkeit und vor allem ein höheres Maß an Kreativität und persönlichem Einsatz. Veränderungsbereitschaft, Querdenken, mentale Flexibilität und interkulturelle Kompetenzen sind nicht umsonst Kompetenzen, die an Wichtigkeit zunehmen. Auch das zeigten die „HR Future-Trends 2016“ deutlich.
  2. Beschleunigte Change-Prozesse
    Die Digitalisierung setzt Unternehmen unter Zugzwang. Um mit den Veränderungen Schritt halten und dem Innovationsdruck standhalten zu können, durchlaufen Unternehmen immer häufiger Change-Prozesse. Fast 40 % der Befragten – so die Ergebnisse der „HR Future-Trends 2016“ – begleiten Change-Prozesse jedoch nicht durch entsprechende Personalentwicklungs- und Weiterbildungsprogramme. Dabei wäre genau das notwendig, denn sehr oft sind die Veränderungsprozesse im beruflichen Bereich bei einzelnen Mitarbeitenden mit Ängsten verbunden, die sich in vielen Fällen auch auf den privaten Bereich übertragen. Die Haltbarkeitsdauer von Beziehungen verkürzt sich, die Dynamik im beruflichen und privaten Bereich sorgt für Stress.
  3. Zunehmende Emotionsarbeit
    Digitalisierung und Automatisierung übernehmen immer mehr Routine-Tätigkeiten im produzierenden Bereich. Die Sektoren menschlicher Arbeit beschränken sich zunehmend mehr auf den Dienstleistungsbereich. Schwierige Kunden und emotionale Dissonanzen sind Sphären, die bislang noch von keinem Roboter-System übernommen werden können. Die Zunahme an Emotions- und Beziehungsarbeit ist eine der größten Belastungen überhaupt, denn auf eine zunehmend dienstleistungsorientierte Ökonomie werden Menschen bislang weder ausgebildet noch vorbereitet. Wenig überraschend geben daher auch 44,6 % der für die „HR Future-Trends 2016“ befragten Unternehmen an, die psychische Belastung nehme zu.
  4. Steigender Verantwortungsdruck
    Die Arbeitswelt 4.0 zeichnet sich nicht nur durch neue Berufe, Tätigkeitsfelder und eine Verschiebung der Arbeit von Menschen auf Maschinen aus, sondern auch durch eine Zunahme an Verantwortung. Politik und Ökonomie verlagern immer mehr Verantwortung auf das Individuum. Persönliche Weiterbildung, Empowerment, Vereinbarkeit von Beruf und Familie – der Mensch wird an vielen Stellen seines Lebens zum Lebens-Unternehmer, ohne die entsprechende „Gründungsberatung“ an die Hand zu bekommen. Auch innerhalb der Unternehmen steigen die Anforderungen und damit auch der Verantwortungsdruck, gaben 70,3 % der für die „HR Future-Trends 2016“ Befragten an. Zusätzlich stellen 39,2 % einen vermehrten Anstieg psychischer Erkrankungen fest.
  5. Verlängerte Lebensarbeitszeit
    Westliche Gesellschaften werden nicht nur älter an Lebensjahren, sondern der demografische Wandel sorgt auch für eine strukturelle Verknappung von Fachkräften. In der Folge werden Menschen länger arbeiten müssen. In 50,6 % der für die „HR Future-Trends 2016“ befragten Unternehmen ist die Belegschaft älter als 40 Jahre und in 16,8% der Unternehmen werden 20-30 % der Mitarbeitenden in den kommenden fünf Jahren in Rente gehen. Schon heute steigt in 51,4 % der Unternehmen die Arbeitszeit der außertariflich beschäftigten Mitarbeitenden. Demografiemanagement und betriebliches Gesundheitsmanagement werden zunehmend wichtiger, um die Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden langfristig zu erhalten.

 

Über die „HR Future-Trends 2016“

Die Umfrage „HR Future Trends“ wird jährlich von der Bonner AGENTUR ohne NAMEN durchgeführt. „Veränderung und Transformation im Windschatten von Industrie 4.0 und Digitalisierung“ lautete das Thema der diesjährigen Umfrage. 103 Unternehmen aus Deutschland haben sich von Anfang März bis Ende Mai 2016 in der Online-Befragung geäußert. 27 % zählen mit jeweils über 5.000 Mitarbeitenden zu den Großunternehmen, über 40 % sind KMU.

>> Die Ergebnisse stehen zum kostenfreien Download zur Verfügung

 

Über die AGENTUR ohne NAMEN:

Die AGENTUR ohne NAMEN GmbH ist Teil der EvolutionaryMindGroup. Als Projekt-Agentur und Solution-Provider sind DIE ANDERSDENKER seit fast 20 Jahren am Markt. Ihre Expertise liegt in den Bereichen Recruiting, Personalentwicklung, Innovation und Veränderungs-Gestaltung. Die Agentur ist Kompetenz- und Knowhow-Partner, um Unternehmen bestmöglich auf eine VUCA-Welt und die in ihr innewohnende Transformations- und Innovationsdynamik vorzubereiten. 2012 gewann die Agentur den Innovationspreis „Land der Ideen“ mit dem Projekt „women&work“ – Europas größten Messe-Kongress für Frauen.  www.AGENTURohneNAMEN.de

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