Change-Prozesse: 4 Veränderungs-Typen im Blick behalten

In vielen Unternehmen werden Veränderungsprozesse sehr ambivalent betrachtet. Grund sind häufig eine fehlende Vertrauens- oder Fehlerkultur und die Tatsache, dass Veränderungen im Regelfall nicht dynamisch von innen heraus, sondern durch externen Druck erfolgen. Das geht an der Belegschaft nicht spurlos vorbei.

In unserer diesjährigen Umfrage „HR Future-Trends 2016“ gaben 60,3% der Unternehmen an, momentan Veränderungsprozesse zu durchlaufen. Die drei wichtigsten Gründe für die Veränderungsprozesse sind Kosteneinsparungen (Platz 1), Digitalisierung von Geschäftsprozessen (Platz 2) und zunehmender Wettbewerbsdruck (Platz 3). Knapp 40% der Unternehmen begleiten diese Veränderungsprozesse nicht durch Personalentwicklungsmaßnahmen.

Alle genannten Veränderungsgründe beruhen auf der Abwendung von Gefahren und sie alle implizieren nicht selten auch eine große Arbeitsplatzunsicherheit für die Belegschaft. Drei Veränderungstypen treten nun sehr häufig in Erscheinung:

  1. Die Rebellen:
    Ihre Haltung: „Ich lass mich nicht kaputt machen, ich setz mich zur Wehr!“
    Ihr Widerstand nach außen ist besonders stark ausgeprägt. Sie äußern ihren Unmut, sind offen unzufrieden und versuchen, Allianzen zu schmieden. Dienst nach Vorschrift ist hier noch die beste aller Folgen.
  2. Die Entmutigten:
    Ihre Haltung: „Hoffentlich stehe ich das durch.“
    Ihr Widerstand ist nach innen und oft auf die eigene Person gerichtet. Sie leiden still, reagieren mit Angst, Depression oder Vermeidungsstrategien. Häufige Krankheitsausfälle sind die Folge.
  3. Die Fahnenflüchtigen:
    Ihre Haltung: „Ihr könnt mich mal…!“
    Sie analysieren die Situation glasklar, sind hochgradig unzufrieden, fühlen sich in ihrer Leistung nicht wertgeschätzt und sind aber gleichzeitig geistig mobil und unabhängig genug, ihre Konsequenzen zu ziehen. Und das tun sie auch. Ergibt sich der richtige Moment, kündigen sie oder wechseln die Abteilung.

Zusätzlich gibt es einen vierten Veränderungstyp, der einer besonderen Würdigung bedarf:

  1. Die Stehaufmännchen:
    Ihre Haltung: „Es gibt ein Licht am Ende eines jeden Tunnels.“
    Stehaufmännchen sind besonders resiliente Menschen, die auch bei starkem und anhaltendem Stress nicht die Ruhe verlieren. Resiliente Menschen haben starke innere Schutzmechanismen etabliert, die es ihnen ermöglichen, sich flexibel, situations- und bedürfnisbedingt immer wieder an neue Situationen anzupassen. Ihre Fähigkeit, in stressigen Situationen nicht nur die Nerven zu behalten und ihren Job weiter gut verrichten zu können, sondern mit ihrer optimistischen Grundhaltung gleichzeitig auch eine positive Wirkung auf Kolleginnen und Kollegen ausüben zu können, ist unbezahlbar.

Es liegt auf der Hand, dass die Stehaufmännchen aus Unternehmenssicht eine sehr hohe Wertschätzung erfahren sollten. Ihre Stärke ist eine hohe Flexibilität, mit veränderten Situationen umgehen zu können, ohne daran zu zerbrechen.

Es ist leider auch genauso offensichtlich, dass diese Wertschätzung  in Wirklichkeit selten genug ausgesprochen wird. Stehaufmännchen sind weder rebellisch noch entmutigt. Auch Wechselgelüste bringen sie nur dann mit, wenn es für sie sinnhaft ist – nicht jedoch aus Trotz, gekränkten Eitelkeiten oder Wut.

Mit anderen Worten: In einem hoch volatilen Umfeld werden sie oft schlicht und ergreifend nicht auffällig, weil sie unbeirrt weiter arbeiten und keinerlei destruktives Verhalten an den Tag legen. Werden Stehaufmännchen allerdings dauerhaft nicht wertgeschätzt, kann sich auch ihre Haltung ändern. Sie werden sich dann ein für sie gesünderes Umfeld suchen.

Klar ist jedoch: Verlassen resiliente Menschen ein Unternehmen, gehen die wirklichen Leistungsträger!

 

Der Text ist ein Auszug aus dem Buch von Melanie Vogel „Futability® – Wie Sie Veränderungen und Transformationen bewältigen und selbstbestimmt gestalten

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