Digitalisierung: „Work-Learn-Balance“ als Herausforderung für Unternehmen

Das Informationszeitalter verlangt einen neuen  Typus „Mensch“ im Arbeitsleben. Die deutschen Bildungssysteme kommen diesem Anspruch bis heute jedoch nicht nach. Und das hat Folgen.

Bildungsverantwortliche haben es seit Jahrzehnten sträflich versäumt, das Bildungssystem auf die Anfordernisse einer zutiefst veränderten Arbeitswelt anzupassen. Wir gönnen uns Hunderte verschiedene Ausbildungsberufe und mehrere Tausend unterschiedliche Bachelor- und Masterstudiengänge, die schon früh zur (Über-)Spezialisierung (manchmal auf sogar nur einen Arbeitgeber) drängen, während der Blick in die Zukunft generalistische Ausbildungen und Kompetenzen dringend erforderlich machen würde.

(Weiter-)Bildung wird im kommenden Veränderungsprozess zu einem unbezahlbaren Anlagevermögen und zu einer entscheidenden Schlüsselfunktion, wenn es um unsere eigene Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit geht. Auf die Schul- und Ausbildungssysteme dürfen wir dabei nicht hoffen. Ihre Trägheit führt schon heute zu einem eklatanten Mismatch zwischen Unternehmensanforderungen und Bewerberkompetenzen. Unternehmen und Individuen sind daher gleichermaßen aufgerufen, diesen Missstand zu beheben – und zwar durch eine konsequente „Work-Learn-Balance“.

Work-Learn-Balance

Bildung und Ausbildung sind eine Investition in die Menschheit und ein krisenunabhängiger unternehmerischer und persönlicher Anlagewert. Trotzdem zeigen Umfragen, dass Weiterbildung in kaum einem EU-Land so vernachlässigt wird, wie in Deutschland (DIE WELT vom 22.9.2014, S. 2). „Lebenslanges Lernen“ ist nach wie vor nicht mehr als eine Phrase – und das wird zunehmend gefährlich!

Wollen wir zukunftsfähig bleiben, müssen wir die Art des Lernens und unsere dem Lernen gewidmeten Zeitspannen überdenken, indem wir Lernen als flexiblen Appendix in unser Leben integrieren. Lernen ist mehr denn je Teil unserer Arbeit und eine elementare Voraussetzung dafür, dass wir unsere Wettbewerbsfähigkeit erhalten.

Lernen bedeutet in Zukunft nicht nur das Aneignen neuen Wissens und neuer Kompetenzen, sondern auch das bewusste Ver-Lernen von veralteten Informationen, die in einer veränderten Umwelt zum mentalen Ballast werden. Lernen bedeutet, persönliche Verantwortung für unsere geistigen Denk- und Handlungsmuster zu übernehmen. Lernen ist gleichbedeutend mit gedanklicher Mobilität.

Diese Kompetenz vermittelt unser Bildungssystem nicht. Die Verantwortung dafür liegt einzig und allein bei uns. Eine ausgewogene „Work-Learn-Balance“ mit kürzeren oder längeren „Bildungspausen“ sollte daher fester Bestandteil von soliden und zukunftsgerichteten persönlichen und unternehmerischen Persönlichkeitsentwicklungsmaßnahmen sein.

Der Text ist in Teilen ein Auszug aus dem Buch von Melanie Vogel „Futability® – Wie Sie Veränderungen und Transformationen bewältigen und selbstbestimmt gestalten“.

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